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Alopezie und Haarverlust beim Keeshond

von Jane Saunders


Die meisten Besitzer von Hunden einer Rasse, für die ein reiches und dichtes Fell typisch ist, sind bestrebt, daß ihre Hunde auch ein perfektes Fell vorzeigen. Heutzutage, wo mehr denn je Wert auf die Menge des Fells bei Hunden gelegt wird, beunruhigt es die Besitzer, wenn ihre Hunde plötzlich beginnen, Fell zu verlieren oder sogar stellenweise Alopezie entwickeln.

Den meisten Keeshondbesitzern sind Fälle von Rüden und Hündinnen bekannt, die stellenweise das Fell an den Hinterschenkeln verlieren. Ich kann mich erinnern, wie mir vor über 30 Jahren erzählt wurde, das "Allheilmittel" hierfür sei Bob Grass Skin Cure. Dieses traditionelle Mittel enthält neben anderen Inhaltsstoffen Sulfur (Schwefel), der für seine positive Wirkung bei Hautproblemen bekannt ist. Es gab auch andere Ratschläge, wie den Rüden zu kastrieren oder die Hündin einmal werfen zu lassen. Wenn das Fellproblem verschwand, schlossen die Besitzer daraus, daß die "Behandlung" erfolgreich gewesen war. Jedoch hat es auch Fälle gegeben, wo bei Hunden das Fell an den von Alopezie betroffenen Stellen ohne jede Behandlung wieder nachgewachsen ist.

Es wird allgemein verstanden, daß dieser Fellzustand und -wachstum bei einem ansonsten gesunden Hund durch irgendeine Art von Hormonstörung verursacht wird, aber es ist nicht vollständig klar, weshalb. Bestimmte Spitzrassen scheinen häufiger dazu zu neigen. Viele Besitzer denken sofort an eine Schilddrüsenunterfunktion und bitten ihren Tierarzt, eine Untersuchung der Schilddrüsenfunktion vorzunehmen. Wenn das Ergebnis im Normalbereich liegt, dann sind Besitzer und Tierarzt oft ratlos, was als Nächstes zu tun ist.

Typische Symptome sind die Ausdünnung des Fells oder der vollständige Haarverlust an bestimmten Köperpartien des Hundes. Alopezie ist für gewöhnlich bilateral (an beiden Seiten des Körpers symmetrisch auftretend) und betrifft den Halsbereich, den Rumpf, den Bereich am Rutenansatz und die Rückseite an den Oberschenkeln der Hinterbeine. Es wird oft angenommen, der Haarverlust um den Hals würde durch die Reibung eines schlecht sitzenden Halsbandes verursacht, da er an der Stelle auftritt, wo das Halsband liegt. Tatsächlich hat das Halsband nichts mit diesem Problem zu tun. Die Textur des Fells ist in diesem Bereich oft rauher als am übrigen Körper und es neigt dazu, beim Bürsten leicht zu brechen. Betroffene Hunde haben üblicherweise keinen Juckreiz und keine Hautreizungen.

Die Haut in diesen Bereichen neigt zur Hyperpigmentierung und wird dunkler, von graurosa bis schwarz in der Farbe. Beim Keeshond scheint diese Art von Fellverlust häufiger bei Rüden vorzukommen, obgleich Hündinnen die gleichen Symptome zeigen können. Es hat Fälle gegeben, wo bei Hunden das Fell an den von Alopezie betroffenen Stellen ohne ersichtlichen Grund wieder gewachsen ist, wobei auch die Hyperpigmentierung verschwunden ist. Die Alopezie kann wieder auftreten oder auch nicht mehr.

1998 wurde von Tierärzten der Abteilung Dermatologie am Royal Veterinary College in England eine Studie begonnen. Diese Studie war darauf ausgerichtet, die Muster des Haarverlustes bei den Spitzrassen zu untersuchen, unter der Mithilfe der Rasseclubs für Chow Chows, Samojeden, Pomeranians und Keeshonds. Eine Reihe von Rassen scheint mehr zu dieser Art von Fellverlust zu neigen, und es wurden auch Studien an Irischen Wasserspaniels und Kleinpudeln durchgeführt. Die Rasseclubs wurden zur Beteiligung aufgefordert, und die einzelnen Hundebesitzer wurden gebeten, Hunde, die Fellverlust oder mangelnden Haarwuchs zeigten, für Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.

Das Untersuchungsverfahren

Die Besitzer, die mit ihren Hunden an der Untersuchung teilnahmen, wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, mit Angaben, wann der Haarausfall begann und mit Hinweisen auf Jahreszeiten usw. Am Umriß eines Spitzes waren die Stellen des Haarausfalls einzuzeichnen. Die Besitzer wurden auch gebeten, wenn möglich Fotos einzuschicken, um die Bereiche des Fellverlustes zu zeigen. Einige Besitzer besuchten mit ihren Hunden das Royal Veterinary College, um an einer Reihe von Untersuchungen teilzunehmen, andere Hunde wurden bei ihrem Haustierarzt anhand der Vorgaben getestet. Es wurden Blutproben für ein Standardblutbild und eine biochemische Untersuchung entnommen.
Ein ACTH-Test wurde durchgeführt, um den Cortisolspiegel und 17-OHP vor und nach der Stimulation zu prüfen. Bei den Hunden wurde die Schilddrüsenfunktion mit T4- und TSH-Tests untersucht. Es wurden mehrere Hautproben entnommen, an den von Alopezie und Hyperpigmentierung betroffenen Stellen, sowie an einer nicht betroffenen Stelle zur Kontrolle. Eine Reihe von Urinproben wurde gesammelt und zur Analyse an ein Speziallabor geschickt.
In der zweiten Jahreshälfte von 2000 wurde bei einer Reihe von Hunden eine Futterstudie durchgeführt, da sich gezeigt hatte, daß die Ernährung bei anderen Hunderassen eine Auswirkung hatte, vor allem beim Irischen Wasserspaniel. Die Firma Wafcol stellte Hundebesitzern ihre Fish and Corn (Fisch und Getreide) Vollnahrung für die Teilnahme an einer Futterstudie über einen festgelegten Zeitraum zur Verfügung.

Ergebnisse

Die Östradiol-(Östrogen)-Werte waren bei allen Hunden weit über dem normalen Referenzbereich. Testosteron war im Normalbereich, obgleich es beträchtliche Abweichungen bei den einzelnen Ergebnissen gab. Die TSH-Werte waren ebenfalls im Normalbereich. Die T4-Werte waren bei den meisten Hunden im normalen Referenzbereich. Keiner der Hunde hatte eine Schilddrüsenunterfunktion.
Die Urinanalysen zeigten keine Auffälligkeiten.
Alle untersuchten Hunde zeigten erhöhte 17-OHP-Werte nach der Stimulation.
Bei der Futterstudie zeigte sich bei einigen Hunden eine leichte Verbesserung, bei anderen gab es jedoch keine Veränderung. Einige Besitzer berichteten, daß ihre Hunde ein Fertigfutter nur ungern fraßen. Ein Besitzer hat inzwischen zur Futtersorte Wafcol Salmon and Potato (Lachs und Kartoffel) gewechselt und über eine bedeutende Verbesserung berichtet, der Hund hat jetzt ein üppiges Fell, ohne Anzeichen von Alopezie.

Schlussfolgerungen

Das Fellproblem wird als Alopezie X bezeichnet. (Adrenal Hyperplasia Syndrome). Es hat sich gezeigt, daß es in jedem Alter auftreten kann, und es scheint besonders bei Rassen mit "Plüschfell", wie es bestimmte Spitzrassen haben, verbreitet zu sein.

Man kam zu dem Ergebnis, daß die Hormonuntersuchungen von allen Hunden erhöhte 17-OHP-Werte nach der ACTH-Stimulation zeigten, sowie einen erhöhten Östradiol-Wert. Dies ist ein häufiger Befund bei Hunden mit dieser Krankheit. Es wird nun angenommen, daß diese Art von Fellverlust durch eine abnorme Steroidproduktion bedingt ist (eine leicht gestörte Nebennierenfunktion, welche die Bildung von Steroiden wie z.B. Cortisol hemmt). Es ist nicht bekannt, inwieweit das Fellproblem bei den verschiedenen Rassen durch die gleichen hormonellen Störungen verursacht wird, da die Untersuchungen unterschiedliche Muster bei den beteiligten Rassen zeigten. Es scheint einen Unterschied zwischen der hormonellen Störung beim Keeshond und der bei anderen Rassen zu geben. Es ist möglich, daß Keeshonds eine leichte Form der Alopezie haben, wie sie bei Irischen Wasserspaniels, Kleinpudeln und Pomeranians vorkommt.

Es ist wahrscheinlich, daß der Fellverlust beim Keeshond durch viele unterschiedliche Faktoren, einschließlich Ernährung und Hormone, beeinflußt wird.

Was ist der nächste Schritt?

Es wurde ein Medikament gefunden, das man für geeignet hielt, diese Störung zu korrigieren, und es wurde im letzten Jahr in Großbritannien zugelassen. Trilostane ist zur Behandlung des Cushing-Syndroms zugelassen, aber es wurden damit auch sehr ermutigende Ergebnisse bei der Behandlung von Alopezie erzielt.

Das Medikament wird als sehr sicher in der Anwendung betrachtet, und bis heute wurden Versuche mit Pomeranians und Kleinpudeln durchgeführt. Die Ergebnisse waren mit 90% Erfolgsrate sehr positiv (Cerundolo, persönliche Mitteilung). Auf das Medikament muß sehr sorgfältig eingestellt werden, und es kann mehrere Monate dauern, bis die optimale Dosierung gefunden ist.

Die anfänglichen Untersuchungen wurden mit einer Spende des Kennel Clubs an das Royal Veterinary College finanziert, aber diese Mittel sind nun erschöpft. Die Medikamentenfirma hatte die Medikamente für die Versuche mit den Pomeranians und Kleinpudeln bereitgestellt. Zumindest einstweilig ist jede Fortführung der Studie "auf Eis gelegt". Es wird gehofft, daß es zu irgendeiner Zeit möglich sein wird, die Arbeit mit Keeshonds wieder aufzunehmen.

In der Zwischenzeit ist es wichtig daran zu denken, daß diese Krankheit rein kosmetisch ist und betroffene Hunde in jeder anderen Hinsicht gesund sind.


Danksagung

Ich möchte Prof. David Lloyd BVetMed, PhD, FRCVS, Dip ECVD und Rosario Cerundolo D.V.M. Cert. VD, Dip ECVD, MRCVS für die Einbeziehung der Keeshonds in the Alopecia X Studie danken. Weiterhin danke ich Rosario für seinen Rat und seine Unterstützung beim Schreiben dieses Artikels.

David Lloyd ist Professor für Veterinär-Dermatologie am Department of Veterinary Clinical Sciences am Royal Veterinary College, University of London and Rosario Cerundolo ist derzeitig Assistenzprofessor für Veterinär-Dermatologie am Department of Dermatology an der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine.


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Quellenangaben

Cerundolo R, (1999) "Symmetrical alopecia in the dog": In Practice,21: p 350 – 359

Cerundolo R, (2000) )"Alopecia associated with abnormal steriodogenesis in dogs", Continuing Professional Development - Veterinary Medicine2: p 100-104,

Cerundolo R, Lloyd D.H, Pidduck H.G (1999) "Studies on the inheritance of hair loss in the Irish Water Spaniel" The Veterinary Record. Nov 6; 145(19): p 542- 4

Cerundolo R , Lloyd D.H., McNeil P.H., Evans H, (2000) "An analysis of factors underlying hypotrichosis and alopecia in Irish Water Spaniels in the United Kingdom" Vet Dermatology;11: p 107-122


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Ich lebe seit 46 Jahren mit Keeshonds zusammen und bin Ausstellerin und Richterin in England.

Ich habe ein Post Graduate Advanced Diploma in Companion Animal Behaviour Counselling und bin Mitglied im Keeshond Club, im North of England Keeshond Club und im Deutscher Spitz Club of Belgium.

Mein besonderes Interesse gilt der Gesundheit, und ich arbeite mit mehreren Veterinärmedizinern als Ansprechpartnern zusammen, um das Wissen über Gesundheitsprobleme in der Rasse zu erweitern. Ich bin die Gesundheitskoordinatorin des Keeshond Clubs.

© Jane Saunders - August 2002

(Übersetzung: Brigitte Sovonja)


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