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Von "Black Skin Disease" zu Alopecia X

Haarausfall beim Pomeranian/Zwergspitz



  Nach dem Erscheinen des ersten Fotos eines Pomeranians mit "Black Skin Disease" im Vereinsheft "Der Deutsche Spitz" im Dez. 2002, meldeten sich bei mir mehrere Zwergspitzbesitzer und auch Wolfsspitzbesitzer, deren Hunde davon betroffen waren, und die Informationen und Hilfe suchten. Obwohl dieses Problem in den Rassen Pomeranian und Keeshond, die beide bei den Deutschen Spitzen eingegliedert sind, seit Jahrzehnten auftritt, besteht offensichtlich ein sehr großer Informationsbedarf bei den Besitzern von davon betroffenen Hunden in Deutschland. Ein Bedarf nach Informationen und Hilfe, die viele nicht von ihren Züchtern bekommen konnten, - und auch den meisten Tierärzten war dieses rassespezifische Problem immer noch unbekannt.

  Es gibt viele Ursachen für Alopezie, und nicht jeder Hund, der unter Haarausfall oder Fellproblemen leidet, hat BSD. Aber andere Ursachen wie Milbenbefall und Pilzinfektionen lassen sich durch tierärztliche Untersuchungen relativ einfach nachweisen und behandeln, und das Haarkleid regeneriert sich vollständig nach erfolgreicher Behandlung. Auch Krankheiten, bei denen die äußeren Symptome ein ähnliches Erscheinungsbild wie bei BSD haben, wie z.B. echte Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Cushing-Syndrom (Hyperadrenokortizismus) oder Drüsentumore, lassen sich durch den Tierarzt bestimmen und sind gezielt behandelbar.

  Hier geht es um den bei Pomeranians auftretenden "mysteriösen Haarausfall", der unter den Züchtern lange Jahre nur als "Black Skin Disease" - kurz "BSD" genannt - bekannt und gefürchtet war. Bei manchen Züchtern trat es so stark in den Linien auf, dass sie die Pomeranianzucht ganz aufgeben mussten. Der Ausdruck "Black Skin Disease" ist keine medizinische Bezeichnung, sondern einfach eine von den Züchtern dieser Rasse seit jeher gebrauchte Beschreibung der äußerlich sichtbaren Symptome, nämlich der typischerweise schwarz verfärbten Haut nach dem Fellverlust. Jeder, der mit der Rasse vertraut ist, weiß sofort, was damit gemeint ist und darum bleibe ich hier zunächst auch bei dieser Bezeichnung.

  Es handelt sich hierbei um eine bestimmte Form von Alopezie, die besonders in den Rassen Pomeranian, Keeshond, sowie in den nordischen Rassen Alaska Malamute, Sibirischer Husky und Samojede, beim Chow Chow und auch beim Kleinpudel vorkommt, und die bis heute nicht ganz erforscht werden konnte. Neuerdings sind auch vermehrt Fälle bei Shih Tzus bekannt geworden. Anders als die Pomeranianzüchter sprechen die Züchter von anderen Rassen wie Keeshond oder Alaska Malamute, wo die Symptome normalerweise weniger stark ausgeprägt sind, nicht von Black Skin Disease, sondern von "Coat Funk".

  Der Pomeranian ist eine Rasse, in der sehr viele Gesundheitsprobleme vorkommen, nicht nur die hierzulande bekannte Patellaluxation, sondern eine Vielzahl von zum Teil lebensbedrohlichen Erbkrankheiten. Doch kein anderes Thema erhitzt die Gemüter der Züchter mehr und setzt solch heftige Emotionen frei, wie das Erwähnen der drei Worte "Black Skin Disease".

  Die Zierde eines Pomeranians ist ein reiches Fell mit dichter Unterwolle und langen Deckhaaren. Bei manchen Pomeranians beginnt plötzlich das Haar auszufallen. Meist beginnt es mit kahlen, sich schwarz verfärbenden Stellen an den Hinterbeinen und um den Halsbereich, dann an den Seiten des Tieres. Der Haarausfall kann sich bis über den ganzen Körper erstrecken und die Haut beginnt sich rosa-grau bis schwarz zu verfärben (Hyperpigmentation), nur an Kopf und Beinen bleiben Haare. Meist sind davon Rüden betroffen, wobei die ersten Symptome sehr oft im Alter von 2-3 Jahren auftreten. Aber auch bei Hündinnen kommt dieses Problem vor, jedoch seltener als bei Rüden.
Eine zweite große Gruppe sind die Pomeranians, bei denen die Symptome bereits im Welpenalter auftreten. Die Hunde verlieren nicht ihr Welpenfell und entwickeln kein Erwachsenenfell mit langen Deckhaaren. Das verbliebene Fell wird spröde und brüchig und geht schließlich ganz aus.
Neben diesen typischen Altersgruppen kann diese Form des Fellverlusts jedoch bei Pomeranians in jedem Lebensalter auftreten, und wurde bei Hunden bis über 10 Jahren diagnostiziert.
Es spielt auch keine Rolle, ob die Tiere kastriert sind oder nicht.
Nicht alle Pomeranians verlieren das Fell am ganzen Körper, viele haben einen schwächer ausgeprägten Haarverlust, oft nur an den Hinterbeinen und der Rute. Von vorne sehen sie ganz normal aus, und man merkt es erst, wenn man sie von hinten sieht, wo sie dann mehr oder weniger haarlos sind, manchmal nur mit einer spärlich behaarten Rute und kahler oder schwarzer Haut an den Hinterbeinen.

  BSD kommt bei englischen und amerikanischen Pomeranians gleichermaßen vor. Wann es zum ersten Mal aufgetreten ist, ließ sich bisher nicht zurückverfolgen, da zu viele Jahrzehnte darüber geschwiegen und die betroffenen Hunde nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Es soll jedoch bereits mit den ersten aus England importieren Pomeranians nach Amerika gebracht worden sein und ist womöglich so alt wie die Rasse selbst.
Eine langjährige, amerikanische Züchterin erzählte, dass sie, bevor es in ihrer eigenen Zucht plötzlich aufgetreten ist, niemals zuvor einen betroffenen Pomeranian gesehen hatte. Das lag daran, dass diese Hunde in der Vergangenheit von den Züchtern entweder versteckt gehalten oder eingeschläfert wurden, und die Züchter das Problem in ihren Linien entweder verschwiegen oder verleugnet haben.
Erst vor wenigen Jahren sind einzelne Züchter und Besitzer in Amerika an die Öffentlichkeit getreten und haben ihre betroffenen Hunde gezeigt, und bemühen sich um Aufklärung und Information für die neuen Züchtergenerationen.

  Vor nicht zu langer Zeit war man noch der Ansicht, dass Black Skin Disease nur bei einem bestimmten Typ von Pomeranian auftrat, nämlich bei den von vielen Züchtern als "besonders typvoll" bevorzugten kleinen, orangen Pomeranians, welche als Welpen ein besonders dickes und flauschiges Fell haben und dazu meist ein "baby-face". Heute geht man unter genetischer Betrachtungsweise davon aus, dass BSD in den USA durch die übliche intensive Inzucht (um einen neuen oder eigenen favorisierten Typ zu festigen) in bestimmten Linien gleichzeitig mit dem Typ gefestigt wurde, und deshalb ein so häufiges Auftreten in bestimmten Blutlinien und dem entsprechenden Typ zu sehen war. Wenig typvolle Pomeranians galten vor nicht allzu langer Zeit noch als ungefährdet. Durch das Einbringen von Deckrüden aus stark betroffenen Linien, ursprünglich gedacht zur "Verbesserung des Typs", wurde BSD auch in andere Blutlinien gebracht. Heute kommt BSD bei allen Pomeraniantypen und allen Farben vor, auch bei sogenannten "exotischen" Farben wie black and tan und Schecken.

  Oft wird die Frage gestellt, wie hoch der Prozentsatz von betroffenen Pomeranians ist. Da über viele Fälle Stillschweigen gewahrt wird, liegt die Dunkelziffer vermutlich weit höher, als man ahnt. Im Gespräch mit amerikanischen Züchtern fallen Zahlen wie 1 Welpe von 30 bis zu 1 Welpe von 10 bei manchen Züchtern, - mit der Tendenz steigend! Eine amerikanische Züchterin erzählte mir kürzlich, in den als sehr stark betroffen bekannten Linien sind es 4 Welpen von 10 (mit dem Zusatz, dass dies jedoch immer noch weniger als 50 % der Welpen sind). Das ist sicher erschreckend zu hören.

  Immer wieder wird auch nach der Lebenserwartung von betroffenen Hunden gefragt. Darüber gehen die Meinungen auseinander. Während viele Besitzer berichten, dass ihre Hunde mit BSD genauso gesund waren wie nicht betroffene Pomeranians und das gleiche Lebensalter erreichten, erzählen andere, dass ihre betroffenen Hunde noch viele weitere Gesundheitsprobleme entwickelten und die Lebenserwartung nicht so hoch war. Womöglich hängt dies in vielen Fällen damit zusammen, dass in den entsprechenden Linien auch vermehrt andere Gesundheitsprobleme vorkommen. Worüber jedoch häufiger berichtet wird, sind auffallende und zum Teil schwerwiegende Wesensveränderungen bei betroffenen Hunden, wie z.B. Angst- und Stressverhalten.

  Die Züchter haben im Lauf der Jahrzehnte die verschiedensten Hausmittel und Kuren ausprobiert, die mehr oder weniger erfolgreich waren, und die von einer Züchtergeneration zur nächsten weitergegeben wurden. (Und die auch heute noch sehr gefragt sind!)
Es wurde über Erfolge berichtet bei der Anwendung bestimmter Shampoos, wie Teer- und Schwefelshampoo und Shampoos gegen Pilzinfektionen, wobei die Hunde oft über Monate mehrmals wöchentlich gebadet wurden. Andere Züchter behandelten ihre haarlosen Hunde mit hochdosierten Ungeziefersprays und Milbenmitteln, und gaben spezielle Futterzusätze bis hin zu chinesischen Kräutern. Manche Züchter entwickelten ihre eigene "Geheimrezeptur", auf die sie schwörten. Viele dieser Behandlungen waren bzw. sind nicht ungefährlich für die kleinen Hunde, und die "Wirkung" gewisser Präparate konnte inzwischen auf ihre teils massiven Nebenwirkungen zurückgeführt werden.
All die angewandten Medikamente, Bäder, Salben oder gar Zauberbeschwörungen konnten nun helfen - oder auch nicht. Was bei manchen Pomeranians erfolgreich zu neuem Haarwuchs geführt hatte, wirkte jedoch nicht bei anderen - und umgekehrt. Bei manchen Hunden wuchs das Fell nach einer Behandlung, - um bald darauf wieder auszufallen. Oder die Hunde bekamen zwar wieder Fell am Körper, blieben jedoch weiterhin haarlos an Hinterbeinen und Rute.
Aber auch bei Hunden, die nicht behandelt wurden, setzte oft spontan wieder Haarwuchs ein, und es wurde von betroffenen Pomeranians berichtet, die in ihrem Leben verschiedene Stadien von Fellwuchs- und verlust durchliefen. So vermutet man, dass bei vielen Hunden gar nicht die oft monatelange "Behandlung" gewirkt hatte, sondern dass das Fell auch ohne diese für eine gewisse Phase wieder gewachsen wäre.
Heute gibt es immer mehr Züchter, die sich weigern, ihren haarlosen Pomeranians hochdosierte Milbenmittel zu spritzen oder sie täglich in einem bestimmten Geschirrspülmittel zu baden, sondern ganz einfach nicht mehr mit ihnen züchten.

  Hunde, die mit diesem Haarausfall den Tierärzten vorgestellt wurden, stellten auch diese vor ein Rätsel und eine Herausforderung. Seit Jahren laufen Forschungen und immer wieder werden neue Studien durchgeführt, die bis heute jedoch keine Ergebnisse über die eigentliche Ursache gebracht haben. Seit diese Art von Alopezie Ende der 70er Jahre erstmals in der Veterinärliteratur beschrieben wurde, gab es darüber verschiedene Vermutungen und Theorien, wobei sich auch immer wieder der Name dafür geändert hat. Die gegenwärtig offizielle Bezeichnung, und die sich bisher am längsten gehalten hat, ist "Alopecia X" (wobei das X für die immer noch unbekannte Ursache steht). Davor gab es viele verschiedene Namen, wie z.B. Castration Responsive Alopecia, Growth Hormone Responsive Alopecia, Severe Hairloss Syndrome und noch einige mehr, (und mit einem neuen Namen könnte - neueren wissenschaftlichen Veröffentlichungen zufolge - womöglich bald wieder gerechnet werden ...).

  In der tierärztlichen Praxis sind die ersten Mittel der Wahl zur Behandlung betroffener Hunde entweder die Kastration oder die Gabe von Melatonin. Es hat sich gezeigt, dass beides in vielen Fällen erfolgreich zu neuem Haarwuchs führte. Manche Pomeranians mit einem niedrigen Schilddrüsenwert sprechen auf die Behandlung mit Schilddrüsenmedikamenten an, auch wenn sie sonst keine weiteren Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion haben.
In all diesen Fällen ist der Haarwuchs aber auch oftmals nicht von Dauer, und viele Hunde beginnen nach ein paar Monaten wieder ihr Fell zu verlieren. Wird dann die gleiche Behandlung wiederholt, so wirkt sie jedoch erfahrungsgemäß nicht mehr ein zweites Mal.

  Heute gibt es nun weitere, sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Ein großer Durchbruch in der Behandlung von Alopezie X erfolgte erst vor wenigen Jahren, als man in England im Rahmen einer Studie das Medikament Trilostan (das ursprünglich zur Behandlung des Cushing-Syndroms zugelassen wurde), mit einer Erfolgsrate von 90 % an Samojeden und Keeshonds getestet hatte. Nach der Erweiterung der Studie auf Pomeranians und Kleinpudel, wird Trilostan seit einiger Zeit auch in Deutschland zur Behandlung von Alopezie X eingesetzt und gilt als sehr sicher in der Anwendung.
Ebenso erfolgreich, jedoch aufgrund der Nebenwirkungen nur bedingt eingesetzt, wird Lysodren, welches ebenfalls ein Medikament zur Behandlung des Cushing-Syndroms ist.

  Bei einem so kleinen Hund wie dem Pomeranian sollte man jedoch ganz besonders das Risiko von den Nebenwirkungen bedenken, und im Zweifel sollte man sich mit dem "kosmetischen Problem" abfinden. Wenn der Hund bis auf den Haarausfall gesund ist, dann vertreten auch Tierärzte die Ansicht: Die beste Behandlung ist oft keine Behandlung!

  Zum Schluß ist noch zu sagen: Der Spitz und ganz besonders der Zwergspitz ist ein Hund, der laut Rassestandard durch sein reiches Haarkleid aus dichter Unterwolle und längerem, abstehenden Deckhaar mit mähnenartigem Kragen und buschig behaarter Rute besticht, sicher nicht zuletzt einer der Gründe, warum sich Liebhaber für diese Rasse entscheiden. Wir wollen hoffen, dass sie uns mit diesem Erscheinungsbild erhalten bleibt.


Danken möchte ich vor allem den Züchtern und Pomeranianbesitzern in USA und Canada, die in vielen und
langen Diskussionen ihre Erfahrungen mit BSD mitgeteilt und die Fotos zur Verfügung gestellt haben!
Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, den deutschen Zwergspitzbesitzern hier diese Informationen zu geben.



© Brigitte Sovonja (2003/2005)





(Im "Spitz-Broeders/Spitz-Fraternité" Nr. 52, IV-2006
des Deutschen Spitz Clubs of Belgium)






Die Fotos zum Artikel: BSD hat viele Namen und viele Gesichter







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Von "Black Skin Disease" zu Alopecia X - © 2003/2005 Brigitte Sovonja